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wTuesday, October 30, 2001


A propos Genetik:
Wussten Sie schon, dass der Mensch zu 30 Prozent mit der Banane genetisch identisch ist, Vetter und Cousine miteinander aber nur zu 25 Prozent?

posted by Reinhard at 12:49 PM


wMonday, October 29, 2001


12.4.2001: Ärzte-Zeitung: Intensiver Dialog zwischen Hirnforschern und Psychoanalytikern
100 Jahre nach Sigmund Freuds "Traumdeutung" sind seine Theorien wieder gefragt / Interview mit Professor Detlef Linke
Träume seien weder rein psychische, noch rein neurobiologische Phänomene, sagt Professor Detlef Linke von der Universität Bonn. Sondern sie seien offenkundig beides zugleich: psychobiologische Ereignisse und evolutionsgeschichtliches Erbe, so der Neurologe im Gespräch mit Adelbert Reif, Mitarbeiter der "Ärzte Zeitung".

Ärzte Zeitung: Herr Professor Linke, 100 Jahre nach Freuds epochalem Werk "Die Traumdeutung" stellt sich die Frage: Besitzen seine Erkenntnisse über das Phänomen des Träumens noch Gültigkeit?

Linke: Im Gegensatz zu den Fünfziger Jahren wird Freuds Traumdeutung heute keineswegs mehr als artistisches Gedankenwerk abgetan. Damals glaubte man, mit Hilfe der Physiologie sehr viel Neues über das Träumen zu erfahren. Man entdeckte die REM-Phasen und stellte fest, daß die Träume überhäufig in diesen Phasen auftreten.

Vor 30 Jahren trat dann die Theorie von Allan Hobson in den Vordergrund, der die Ansicht vertrat, daß Träume bloß eine Art Müllverwertung im Gehirn seien. Durch die Träume würden unsere Gedächtnisspeicher mal tüchtig durchgeschüttelt. Das Gedächtnis werde aktiviert und eine Synthese des ungeordneten, zufällig aktivierten Materials geschehe. Von der Physiologie her kam in jener Zeit eher das Signal, Träume nicht allzu wichtig zu nehmen, da es sich dabei nur um eine Neuordnung des Gedächtnisspeichers handle.

Die Revolution der letzten fünf bis zehn Jahre bestand nun darin, daß man auch außerhalb der REM-Phasen Träume entdeckte und somit feststellen mußte, daß der Traum nicht an diese Augenbewegungen gebunden ist. So faßt man den Traumbegriff heute sehr viel weiter. Man erkannte, daß während des gesamten Schlafes eine mentale Tätigkeit stattfindet, auch wenn sie sich nicht in der Form üblichen Träumens als phantastische Visionen, Phantasien und Vorstellungen niederschlägt.

Ärzte Zeitung: Das heißt, man kehrt nach einem Jahrhundert wieder zu Freud zurück?

Linke: Man versucht, Freud wieder gerecht zu werden und den Traum auch aus der Sicht der Physiologie als etwas Bedeutungsvolles anzusehen. Er wird nicht mehr als Synthese von zufällig aktiviertem Material aus Tagesereignissen betrachtet, sondern man erkennt in ihm Prozesse, die auch mit dem zusammenhängen könnten, was Freud Wunscherfüllung nannte. Im Frontalhirn von Träumenden konnte eine Aktivierung von Transmittern festgestellt werden, die eher für angenehme Stimmungen verantwortlich sind. So gibt es zur Zeit einen intensiven Dialog zwischen der Hirnforschung und der Psychoanalyse.

Ärzte Zeitung: Gewinnen auch evolutionstheoretische Traumvorstellungen wieder an wissenschaftlicher Relevanz?

Linke: Die evolutionäre Theorie des Träumens hat meiner Ansicht nach viel für sich, weil sie Phänomene erklärt, die die Freudsche Theorie nicht erklären konnte.

Freud sah den Traum als Hüter des Schlafes. Er wußte allerdings keine Erklärung, warum wir durch Alpträume dennoch wach werden.

Die Evolutionstheorie sieht dagegen die Funktion des Traumes darin, Probleme zu lösen, die für das Überleben wichtig sind. Dabei geht es vor allem um jene Probleme, die von der Stammesgeschichte her stärker konfiguriert sind. Wir träumen also fast nie, daß wir am Schreibtisch sitzen. Wenn wir im Traum sitzen, dann auf einem Pferd oder im Auto, wo wir uns bewegen. Zum Sitzen hatten wir in der Evolution keine Zeit. Bisher wurde das Gewicht viel zu sehr auf das Visuelle gelegt. Man dachte bei Träumen immer an Bilder. Träumen aber ist eine exzessiv motorische Tätigkeit: Man fliegt, schwimmt, schwebt, fällt oder hat das unangenehme Empfinden, sich nicht richtig bewegen zu können.

Ärzte Zeitung: Bedeutet diese starke stammesgeschichtliche Einbettung, daß wir im Traum wieder zu Urmenschen werden?

Linke: Die Bewegung im Traum deutet auf stammesgeschichtliche Relikte hin. Wir sind zurückversetzt in ursprüngliche Formen der evolutionären Phasen. Die Evolutionstheoretiker sehen unsere Kognition als einen Vorgang, der, vom Stammhirn ausgehend, die Hirnrinde erreichend, unsere Kindheits- und Stammesentwicklung wiederholt. Unser Denken entwickelt sich aus einem stammesgeschichtlich älteren Kern, der emotional, triebhaft und energetisch beladen ist.

Es sind die alten Strukturen, die beim Träumen ins Spiel kommen. Der Traum hat die Aufgabe, unsere kognitiven und motorischen Fähigkeiten für das Überleben zu trainieren. Die Phase der Augenbewegungen hat in diesem Modell die Aufgabe, uns in Bereitschaft zu versetzen. In der Nähe des Lagerfeuers war man immer in Gefahr, von Raubtieren überrascht zu werden. Während der REM-Phase genügt ein kleiner Reiz, um uns zu wecken.

Ärzte Zeitung: Kann dann der Traum noch als "die andere Hälfte des Menschen" interpretiert werden, "die Nachtseite des Bewußtseins", die es zu erhellen gilt?

Linke: Wir funktionieren ganz gut, wenn wir nicht alles aus unserem Unbewußten ins Bewußtsein heben, sondern stattdessen mehr von anderen in unser Bewußtsein bringen, uns einfühlen in die Wünsche und Absichten anderer. Mangel ist nicht gleichzusetzen mit Verlust. Er kann auch als Gewinn erfahren werden. Wenn ein Patient die Wüste erlebt, dann muß es nicht das Ziel der Therapie sein, ihn darauf hinzuweisen, daß er bei genauem Hinsehen vielleicht doch noch ein kleines Pflänzchen auf dem Wüstenboden erblicken kann, aus dem er durch ständiges Begießen einen Dschungel wachsen lassen kann. Vielleicht sagt uns die Wüste als Ort der absoluten Klarheit und Helle etwas ganz anderes.

Ärzte Zeitung: Vollzieht sich damit nun eine Verbindung von Psychoanalyse und Neurophysiologie, wenn neurophysiologische Vorgänge mit einemmal eine analytische Deutung erfahren?

Linke: In der Tat gibt es diesen Versuch der Synthese. Die dogmatischen Abgrenzungen zwischen den beide Gebieten sind durchbrochen und es ist ein kreativer Prozeß in Gang gekommen, an dem führende Hirnforscher und Psychoanalytiker beteiligt sind.


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posted by Reinhard at 2:06 AM


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4.5.2001: Badische Zeitung vom 2.5.2001: Wie die Psyche das Gehirn baut


In Lindau trafen Neurobiologen auf Psychotherapeuten

Wenn Neurobiologen auf Psychotherapeuten treffen, gibt es zwei Möglichkeiten: Die Neurobiologen erklären, dass das Seelische nur eine elektrische oder chemische Reaktion des Gehirns ist. Oder die Psychotherapeuten behaupten, dass das Eigentliche der Seele nicht in der Materie des Gehirns zu finden sei. Bei den 51. Psychotherapiewochen in Lindau passierte Erstaunliches: Ein Neurobiologe, der Göttinger Hirnforscher Gerald Hüther, erklärte den Psychotherapeuten, dass die Seele die Materie des Gehirns gestaltet.

Der Einbruch der Neurobiologie in die Psychotherapie ist dramatisch. Hüther sprach von einem Paradigmenwechsel. Das wichtigste – für die Psychotherapie umwälzende – Ergebnis der neueren Hirnforschung: Das Gehirn ist nicht mit Abschluss der Entwicklungsphase fertig und baut danach nur noch ab, sondern es ist plastisch. Es bleibt lebenslang entwicklungsfähig. Seine Entwicklung ist abhängig von der Erfahrung. Hüther berichtete von einer Untersuchung an Taxifahrern aus London, bei der man messen konnte, dass das Zentrum für räumliche Vorstellung, der Hypothalamus, umso größer ist, je länger jemand Taxi fährt. Erleben formt das Gehirn. Hüther: „Ich kann das auch erst denken, weil in den letzten zehn Jahren in der Hirnforschung so viel passiert ist.“

Gemeinhin erforschen Neurobiologen, „wie das Gehirn die Seele macht“. Eine zugespitzte Formulierung, wie der Direktor am Institut für Hirnforschung der Universität Bremen, Gerhard Roth, einräumte. Aber er nannte eine Fülle von Beispielen, die zeigen, dass die Neurochemie des Zellgeschehens im Gehirn die Grundlage für dessen Arbeit ist. In Millisekunden tauschen sich Ionen aus, laden und entladen sich Spannungen, die heute exakt messbar sind. Wer die elektrisch oder chemisch ausgelösten Reaktionen kennt, kann sie auch herstellen. „Wir können Wünsche per Mikroelektrode auslösen“, sagte der Hirnforscher. Er konnte auch zeigen, dass Wünsche in unbewussten Regionen des Gehirns entstanden sind, bevor das „Ich“ sie ins Bewusstsein übernimmt.

Die Kartierung des Gehirns ist weit fortgeschritten. Man kennt Gesichtererkennungsneuronen und den Sitz der Raumwahrnehmung, man hat verschiedene Bewusstseinszustände lokalisiert. Menschen mit geschädigten Hirnteilen haben Schmerzen, aber „sie tun ihnen nicht weh“. Andere haben kein „Gewissen“. Für Roth ist das nur eine metaphorische Ausdrucksweise. „Aber der Effekt ist genau dieser: Diese Menschen sind aufgrund der Gehirn-Fehlfunktion nicht sozialisierbar.“ Roth wies auch darauf hin, dass die entsprechenden Modulatoren nicht nur durch eine äußere Verletzung geschädigt werden können, sondern auch „durch die Zurückweisung durch die Mutter.“

Hüther sieht in Roths Arbeiten „die Pfeiler“ für eine Brücke zwischen Neurobiologie und Psychotherapie. Es sind Messungen, nicht Ideen, die zu den neuen Erkenntnissen geführt haben. Die Organisatoren der Lindauer Psychotherapiewochen wittern die Chance, dass ihr Beruf durch die naturwissenschaftliche Begründung ihres Tuns an Anerkennung gewinnt, wie der Heidelberger Psychiater Manfred Cierpka betonte.

Der Neurobiologe Hüther hat wenig Scheu davor, über nicht Messbares zu sprechen: über die Erfahrung, jenen nicht angeborenen Einflussfaktor, der irgendwie im Gehirn und im ganzen Körper verankert ist. „Wem nichts mehr unter die Haut geht, der kann auch keine Erfahrung mehr machen“, so Hüther. Umgekehrt stellte er fest, dass Erfahrung tatsächlich unter die Haut geht und dort Zellen zu verändern vermag. Die Unbefangenheit, über nicht messbare Faktoren zu sprechen, nimmt er aus der Erfahrung mit dem Messbaren. Seit das Dogma vom nicht mehr änderbaren Gehirn gefallen ist, öffnet sich eine neue Welt. Wenn Hirnforscher sehen, wie sich bei Blinden, die Brailleschrift lesen, das Gehirn verändert, ist ein Leugnen des Einflussfaktors Erfahrung sinnlos. Wie der Körper Hornhaut bildet an beanspruchten Stellen, so auch das Gehirn.

Für die Neurobiologen ist das Gehirn das Reaktionsorgan auf Veränderung. Es muss mit Stress fertig werden. Hüther schilderte ein Beispiel: Wird einer plötzlich arbeitslos, wird zuerst im Unbewussten die Amygdala aktiviert, die auf das limbische System im Gehirn wirkt. Das Gehirn strebt nun danach, aus einem asynchronen wieder in einen synchronen Zustand zu gelangen. Vier Möglichkeiten zählte Hüther auf: Drogen wie Extasy, die den Botenstoff Serotonin ausschütten und damit chemisch wirken, Rhythmen wie Gehen oder „Rosenkranzbeten, das mantrische Aufsagen von immer Gleichem“, Entspannung, wie sie in asiatischer Meditation bewirkt wird, und die Bewältigung des Stress auslösenden Faktors.

Wer ohne Drogen zur Bewältigung seiner Probleme ansetzt, braucht, so Hüther, drei Unterstützungsmittel: das Vertrauen in eigene Fähigkeiten: die Erfahrung, das Vertrauen in die Fähigkeiten anderer: die Bindung, und das Vertrauen in vorgestellte Kräfte: der Glaube. Hat das Gehirn Vertrauen erfahren, kommt es in den Flow. Aus einem Problem wird ein gelöstes Problem, mit dem entsprechenden Lustgewinn. Macht es keine Vertrauenserfahrung, gelangt es in einen Teufelskreis: Zu dem Problem kommt die Erfahrung, dass es nicht gelöst wurde. Nicht die Lösung des Problems wird zum Halt im Leben, sondern der Weg vom Problem zur Lösung. „Der Weg ist das Ziel“, übersetzt Hüther. Für ihn ist das kein Glaubenssatz, sondern eine neurochemisch gewonnene Erkenntnis aus der Untersuchung von Opiatausschüttungen im Gehirn.

Die Konsequenzen für die Psychotherapie sind einschneidend. In Lindau wurde Hüther nach Therapiemöglichkeiten für aufmerksamkeitsgestörte Kinder gefragt. Man weiß, dass bei ihnen das dopaminergene System unzureichend arbeitet und versucht, mit Psychopharmaka Ausgleich zu schaffen. Die Hirnforscher sehen darin eine eher grobe Methode, zumal laut Hüther eine Erkrankung des dopaminergenen Systems bisher nicht dokumentiert werden konnte. Dagegen kennt man jetzt einen anderen Einflussfaktor auf die Botenstoffe im Gehirn: soziale Kontakte. Je fester und vielfältiger diese seien, desto stärker sei das dopaminergene System.

Dogmen fallen, Weltbilder verändern sich. Das ist der Lauf der Wissenschaftsgeschichte. In Lindau wurde dies auch deutlich im Umgang mit der Wissenschaftssensation des vergangenen Jahres: dem Human Genome Project. Schon der Zellforscher Friedrich Cramer hatte zum Auftakt die Konzentration auf das menschliche Genom als „völlig veraltetes Konzept “ abgetan. Phänomene wie die Seele sagten wesentlich mehr aus über den Menschen. Hüther legte nach. Craig Venter habe mit der Entschlüsselung des menschlichen Genoms nur herausgefunden, dass dort das Geheimnis des Lebens nicht zu finden sei. „Das Menschenhirn ist so wenig wie möglich genetisch geprägt, damit wir so viel wie möglich lernen können“. Für die Psychotherapeuten heißt das: an die Arbeit. Für die Menschen heißt das: Es gibt keine Ausrede mehr.
Joachim Rogosch


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posted by Reinhard at 2:03 AM


wThursday, October 18, 2001


Wussten Sie schon,,
dass die Länge der großen Zehe mit dem Intelligenzquotienten korreliert,
und dass im Frühjahr, wenn die Störche aus dem Süden zurückkommen, die meisten Babies geboren werden?
Zwei kleine Illustrationen dafür, dass statistische Zusammenhänge noch lange nichts über einen kausalen Zusammenhang aussagen müssen.

posted by Reinhard at 10:02 AM


w


Hallo!
Ab sofort erfahren Sie hier Neues, Skurriles und Interessantes aus der großen, bunten Welt der Psychologie.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß, Ihr
Hans-Reinhard Schmidt

posted by Reinhard at 9:08 AM